Unterstützte Kommunikation (UK)
In den letzten Jahren hat im Zentrum Auf der Leiern die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit schweren Sprach- und Kommunikationsstörungen stark zugenommen. Dies bot die Herausforderung, sich mit verschiedenen Kommunikationsformen und Kommunikationsstrategien auseinanderzusetzen, die über den vertrauten Rahmen der üblichen und "normalen" verbalen Kommunikation hinausgehen.

Wer sich nicht über die Lautsprache mitteilen kann oder aufgrund einer Behinderung in den nicht-sprachlichen Ausdruckmöglichkeiten eingeschränkt ist, ist bei seinen kommunikativen Bemühungen wesentlich auf die Sensibilität und das Verständnis seiner Kommunikationspartner angewiesen. Kinder mit angeborenen Schädigungen machen bereits in ihrer frühen Kindheit oft die Erfahrung, dass ihre Signale von den Bezugspersonen nicht oder nur erschwert wahrgenommen werden. Wenn jedoch die Bezugspersonen lernen, sich auf die vorhandenen Signale einzustellen, kann die Kommunikation mit den Betroffenen unterstützt werden, was für sie einen enormen Gewinn an Lebensqualität bedeutet.

Was ist Unterstützte Kommunikation?
"Unterstützte Kommunikation (UK) ist ein Fachgebiet, das zum Ziel hat, die Behinderungen und Beeinträchtigungen (vorübergehend oder dauernd) zu kompensieren, denen Menschen mit schweren Kommunikationsbeeinträchtigungen ausgesetzt sind".(ASHA 1989).
"UK ist ein Ansatz der totalen Kommunikation. Dabei sollten sämtliche Möglichkeiten, einem nichtsprechenden Menschen ein umfassendes Kommunikationsmittel bereitzustellen, ausgeschöpft werden. Die Kommunikationsmethoden können je nach Erfordernissen der Situation und der Partner wechseln und z. T. völlig unübliche Formen annehmen. Das einzig massgebliche Kriterium stellt ihre Effektivität für den jeweiligen Benützer dar". (Vanderheiden/Lloyd 1986).
Als Alternative und Ergänzung zur Lautsprache wird unterschieden zwischen:
1. Körperlichen Kommunikationsformen:
Ja/nein-Signale - beispielsweise durch Augenbewegungen, Lautierungen, Hand- oder Fusszeichen, Blickbewegungen, Gestik oder Mimik.
2. Externe nichtelektronische Kommunikationshilfen:
Kommunikationskästen, Kommunikationsbücher, Symbol- oder Bildposter an den Wänden (z. B. am Essplatz, über dem Bett, auf dem WC etc...), einzelne Bild-, Symbol- oder Wortkarten.
3. Externe elektronische Kommunikationshilfen:
In den letzten Jahren ist ein breites Spektrum an elektronischen Hilfsmitteln entwickelt worden. Von ganz einfachen Geräten, die Sprache ähnlich wie beim Kassettenrecorder aufnehmen und per Tastendruck wiedergeben, bis hin zu computergestützten Kommunikationshilfen. Durch die elektronischen Hilfsmittel wird es möglich, die totale Abhängigkeit der Nichtsprechenden von ihren Kommunikationspartnern aufzuheben. Neben einer selbständigen Bedienung erlauben elektronische Kommunikationshilfen die Speicherung und den schnellen Abruf von häufig verwendeten Kommunikationsinhalten. Eine unserer schwer körperbehinderten Schülerinnen wird zur Zeit an einem Headpointer geschult, mit dessen Hilfe es möglich sein wird, einen Computer zu bedienen.

Der Einsatz von UK im Zentrum Auf der Leiern
Im Februar 2001 hat sich im Zentrum Auf der Leiern die Arbeitsgruppe "Unterstützte Kommunikation (UK)" konstituiert. Sie besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Internat, Schule und Therapie und hat sich zum Ziel gesetzt, eine alle Bereiche übergreifende einheitliche Methode - eben die UK - im Zentrum zu konstituieren.

Die Durchführung kommunikativer Unterstützung mit den Mitteln und Methoden der UK erfolgt mittlerweile auf breiter Ebene, d. h. in der Schule, in der Therapie und im Internatsbereich. Alle Lehrerinnen und Lehrer der Klassen A haben Fortbildungsmodule für UK besucht und bilden sich laufend weiter. Eine Fortbildung über Formen und Inhalte der UK wurde für alle Mitarbeitenden im Zentrum durchgeführt. Ein modifiziertes Handbuch für Gebärden steht in allen Bereichen zur Verfügung. Jeweils zu Wochenbeginn wird ein der Jahreszeit entsprechendes Handzeichen eingeführt, das allen Mitarbeitenden über das Wochenprogramm zugänglich gemacht wird. In den Klassenräumen und z. T. auf den Gruppen befinden sich Kommunikationstafeln, auf denen mit Hilfe von Symbolkarten die Tagesabläufe strukturiert und deutlich gemacht werden, Bedürfnisse angemeldet, Vorschläge gemacht, Auswahlen getroffen und Ereignisse verarbeitet werden können.

Verwendet werden die Symbole des Boardmaker-Programms (PCS). Die Symbole werden sowohl als Ausdrucksmittel für Nichtsprechende als auch zusätzliches Verständnismittel zur gesprochenen Sprache verwendet. Über Tagebücher erfährt das Umfeld, was das Kind in seinem Schulalltag erlebt hat. Mit entsprechenden Symbolkarten ausgestattet ist es möglich, innerhalb der Institution Aufträge zu erledigen oder gar im Dorf selbständig Besorgungen für den Kochunterricht zu machen. Das jeweilige die Kommunikation unterstützende Mittel wird individuell in Absprache mit dem Umfeld bestimmt und eingesetzt. Es reicht von der einfachen Klingel, um sich bemerkbar zu machen, bis hin zum Rollstuhltisch, der mit Bildern beklebt ist, oder zu elektronischen Geräten mit Sprachausgabe. Alle im Alltag wichtigen Gegenstände und Materialien werden mit Symbolkarten markiert; auf diese Art und Weise gelingt die Abstraktion von Gegenständen zu Symbolen.
Auf die Erarbeitung von Kommunikationsstrategien wird in der Förderplanung und im Förderprogramm ein grosses Gewicht gelegt, weil die Fördereinheiten nicht auf das Klassenzimmer bzw. den Therapieraum begrenzt bleiben dürfen, sondern so oft wie möglich in natürlichen Kommunikationssituationen stattfinden sollen.